Offener Brief der Asse 2-Begleitgruppe

A2B schreibt an Bundesumweltminister

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Röttgen,

mit großer Verwunderung haben wir heute in den Medien die Äußerungen des Vorsitzenden der Entsorgungskommission (ESK), Michael Sailer, zur Kenntnis genommen, die er beim „Deutschen Atomforum“ in Berlin gemacht hat.

Vor dem Hintergrund des seit zwei Jahren andauernden Begleitprozesses möchte Ihnen die Asse-2-Begleitgruppe dazu diesen offenen Brief schreiben.

Seit vielen Jahren propagiert Herr Sailer die Vollverfüllung der Asse. Von daher haben uns seine nun zum wiederholten Male geäußerten Argumente nicht überrascht. Die Asse-2-Be­gleitgruppe und die hiesige Bevölkerung lehnen eine Vollverfüllung ab, da es bisher nieman­dem gelungen ist, die offene Frage der Langzeitsicherheit positiv zu beantworten. Somit verlagert diese Option die Probleme auf zukünftige Generationen. Nur bei der Rückholung kann die Langzeitsicherheit gewährleistet werden.

Im Übrigen würde eine „nasse Endlagerung im Salz“ die Abkehr von der weltweiten Endla­gerstrategie der Wissenschaft bedeuten, die einen trockenen Verbleib des Atommülls ver­langt.

Der Schutz der Bevölkerung und der Mitarbeiter vor der Strahlenbelastung bei einer Rück­holung des Atommülls ist uns ein herausragendes Anliegen und bedarf keiner zusätzlichen Kommentierung. Im Übrigen war das Thema Strahlenbelastung bereits ein wichtiger Aspekt im Optionenvergleich. In mehrmonatigen Diskussionen wurden auch diese Aspekte berück­sichtigt. Die Begleitgruppe und die Arbeitsgruppe Optionenvergleich (AGO) werden auch in Zukunft darauf achten, dass Strahlenschutzaspekte Vorrang haben.

Ohne Belang bei der Entscheidung für die Rückholung ist die Frage, wohin der geborgene Müll gebracht werden soll. Würden wir diese Diskussion eröffnen, müsste jedes Atomkraft­werk sofort stillgelegt werden. Die Rückholung ist trotz aller Schwierigkeiten alternativlos!

Nicht nachvollziehen können wir Herrn Sailers Aussage, dass schon nach einer einzigen Probebohrung über den Plan der Rückholung abschließend geurteilt werden sollte. Die ins­gesamt zwölf Einlagerungskammern können vom Inhalt her derart unterschiedlich sein, dass sich die Erkenntnisse der ersten Bohrung nicht verallgemeinern lassen.

Alle Argumente Sailers zusammengenommen, haben wir erhebliche Zweifel an seiner Ob­jektivität im Umgang mit der Asse-Problematik. Er trägt stets die selben Argumente vor und nimmt offenbar den Abwägungsprozess sowie weiteres neues Wissen nicht zur Kenntnis.

Gleichwohl bieten wir Herrn Sailer, als einem Berater der Bundesregierung, die Gelegenheit, in einer der nächsten Sitzungen mit der Asse-2-Begleitgruppe zu diskutieren.

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